In meiner Zeit an diversen Pokerstammtischen habe ich oft Anfänger des Spiels erlebt, die sich an die Tische setzen und dort eine Strategie an den Tag legen, die ich für mich als das “0-8-15 Schema” benannt habe. Meistens wird das “0-8-15 Schema” von jenen Pokereinsteigern gespielt, die mit dem Anspruch an das Spiel gehen, richtig gut zu werden. Darum haben sie sklavisch auswendig gelernt, in welcher Position zum Dealer man welche Kartenkombinationen spielen sollte und welche nicht.
Es ist ein spielen nach Wahrscheinlichkeit – mathematisch, kühl und ziemlich erfolglos. Denn das “0-8-15 Schema” hat einen bedeutenden Fehler: spielt man jede Karte exakt nach ihrer mathematischen Erfolgschance, wird das schnell jedem halbwegs aufmerksamen Gegner offenbar und es ist für ihn ein Leichtes, diese Strategie auszuhebeln.
Dabei ist das Verwenden eines solchen Schemas ja grundsätzlich nichts schlechtes, doch sklavisch daran halten sollte man sich nicht. Ich selbst halte mich nur sehr leidlich an die statistischen Erfolgschancen meiner Karten – egal wie niedrig die Zahlen auf meinem Blatt “Suited Cards” sind, ich zahle regelmäßig Unsummen um damit den Flop zu sehen. Oft zahle ich dafür ein hohes Lehrgeld, aber nunja, jeder hat eben seine bevorzugten Blätter.

Meiner Meinung nach ist das A und O jeder erfolgreichen Partie Poker, dass man die Kunst des richtigen Setzens beherrscht. Das sollte auch jedem Anfänger klargemacht werden: es zählt nicht in erster Linie, was man auf der Hand hält, sondern wie man diese Hand dann spielt. Auch mit einer schlechten Kartenkombination kann man noch versuchen einen preiswerten Flop zu treffen. Parallel dazu ist ein hohes Paar auf der Hand nichts wert, wenn man beim ersten Raise all seine Mitspieler aus dem Spiel jagt. Wer kennt nicht das frustrierende Erlebnis, mit einem saftigen Paar Könige auf der Hand doch nur die Blinds der Runde abzugreifen?
Eine Technik für diese Kategorie ist auch das Slowplay. Dabei spielt man auch ein gutes Blatt zurückhaltend – mit sehr geringen Einsätzen oder gar einem Check – und hofft auf die Erhöhung des Gegenspielers. Darauf reagiert man dann mit einem Raise und zieht den Konkurrenten noch tiefer in sein verderben. Ein bekannter Trick – leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern.
Meiner Meinung nach machen solche Strategien Pokern erst zu dem Geschicklichkeitsspiel, dass es ist und ich persönlich würde jedem Anfänger empfehlen, die Energie auf solche Kniffe zu konzentrieren, statt Statistiktabellen zu pauken.
