Pokerliteratur – mehr als man lesen kann!

Auch wenn Poker selbst nun wirklich keine Erfindung des 21 Jahrhunderts ist, kann man doch durchaus sagen, dass es erst im vergangenen Jahrzehnt wirklich gesellschaftsfähig geworden ist – zumindest hierzulande. Vorher war es immer eine Art Hinterzimmerglücksspiel für zwielichtige Gestalten und Leute, die ihr Haus und Hof bereits verspielt haben. Inzwischen sieht das ganz anders aus und bei alt und jung wird das strategische Kartenspiel immer beliebter, Turniere in allen Formen und Größe sprießen wie Pilze aus dem Boden und neuerdings wird es zu einer immer angeregteren Diskussion, ob Poker nicht wirklich ein waschechtes Geschicklichkeitsspiel sei.

Mit diesem Boom wurde auch die Zahl der deutschen Spieler erheblich höher, die sich als Ziel gesetzt haben mit Poker ihr Geld zu verdienen. Für diese erklärten Glücksritter wurde der Markt an Pokerliteratur förmlich von Publikationen überschwemmt. Erst zuletzt habe ich von einer neuen Veröffentlichung gelesen, die sich „The Way of the Poker Warrior“ nannte – also der Weg des Poker-Kreigers – und von niemanden geringeren als Paul Hoppe geschrieben wurde. Dort werden Anekdoten aus der Kampfsportkarriere von Hoppe mit diversen Lehren über das erfolgreiche Pokerspiel verbunden. Da gibt es viel Autobiographie für das Geld – und sicherlich unterhaltsame dazu.

Andere Bücher auf dem Markt gehen dann ohne Umschweife daran, die genaue Pokerstrategie zu erklären, nach dem man spielen sollte. „Poker mit System“, „Pokern wie ein Profi“ und natürlich „Spielend Geld verdienen“ sind dann die Phrasen, mit denen man zu der Lektüre gelockt werden soll. Besonders interessant fand ich eine Entdeckung, die eigens für das Pokerspiel die Körpersprache analysierte und Tipps gab, wie man den Gegner am Zucken und Blinzeln durchschauen könnte.

Letztlich stellt sich mir aber dann doch die Frage, was das Ganze bringt. Wenn man dann all die Bücher im Regal stehen hat und beim Buchhändler dafür so viel Geld zurücklassen musste, dass es für das Buy-In eines Mittelgroßen Turniers gereicht hätte, ist man auch noch nicht weiter. Dazu kommt nämlich noch die Zeit, das alles zu pauken und zwischen Statistiken und persönlichen Anekdoten seine Strategie zu finden. Vielleicht wäre es da besser gewesen, sich stattdessen mal ausgiebig an einem Pokertisch zu setzen und selbst die Erfahrungen zu sammeln. Für die Feinarbeit kann man dann immernoch das Internet bemühen. Ich denke, dass ist zumindest der spaßigere Weg, Pokern zu lernen.

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